Die Zahnarztpraxis angstfrei betreten

By | 7. Februar 2013
Die Zahnarztpraxis angstfrei betreten

Die Zahnarztpraxis angstfrei betreten (Bildlizenz: © Digital Vision/Thinkstock)

Einige Menschen meiden den regelmäßigen Besuch beim Zahnarzt. Der Grund dafür ist nicht etwa eine perfekte Kauleiste, sondern vielmehr die Angst vor dem Behandlungsstuhl: Etwa 19 % der Deutschen leiden an einer Dentalphobie. Doch woher kommt diese Panik und wie kann man gegen diese ankämpfen?

Schmerzhaftes Zahnarzterlebnis führt oft zur Dentalphobie

Es gibt kein konkretes Alter oder ein bestimmtes soziales Umfeld für diejenigen, die von einer Dentalphobie betroffen sind. Der Kontrolltermin, der 2x jährlich von den Krankenkassen empfohlen wird, wird für viele zum Graus – wenn sie denn überhaupt erscheinen. Die meisten Betroffenen meiden die Zahnarztpraxis bereits seit mehr als 10 Jahren trotz teilweise starker Beschwerden. Überwiegend geht eine solche Phobie auf ein schmerzhaftes Erlebnis in der Vergangenheit zurück, in das sich die Patienten über Jahre hinweg hineinsteigern und welches viel intensiver in Erinnerung bleibt. Die Folgen davon sind einschneidend. Das Gebiss der Betroffenen weist in den meisten Fällen starke Schäden auf und ist unansehnlich. Dies hat nichts mit Gleichgültigkeit zutun, denn Dentalphobiker schämen sich für ihre schlechten Zähne und ziehen sich dementsprechend aus der Öffentlichkeit zurück. Auswirkungen wie Isolation, ein Rückzug aus dem Freundeskreis sowie Misserfolge im beruflichen Werdegang führen oftmals zu Depressionen. Sie schämen sich für jedes Lächeln.

Was kann gegen die Dentalphobie helfen?

Um sich selbst als Dentalphobiker wieder ein normales Leben und ein gesundes Lächeln geben zu können, sollten schnellstmöglich Taten erfolgen. Wir haben einige Tipps für Sie zusammengesucht, um Ihnen die Panik vor dem Zahnarztstuhl vielleicht ein bisschen zu nehmen.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt: Viele Ärzte wissen selbst, wie unangenehm eine Zahnbehandlung sein kann, und können Ihre Ängste nachvollziehen. Suchen Sie das Gespräch mit ihrem Zahnarzt und versuchen sie gemeinsam Lösungen zu finden, die eine schnelle und für alle reibungslose Behandlung ermöglichen.
  • Informationen einholen: Wer genau weiß, was im folgenden Verlauf der Behandlung passiert, ist weniger panisch. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt genau erklären, was in den einzelnen Schritten alles gemacht wird. Welche Geräte sind wofür zuständig, welche Handgriffe sind vielleicht etwas unangenehmer. So sind Sie genaustens im Bild und brauchen keine Angst vor bösen Überraschungen haben.
  • Kontrolle haben: Viele Angstpatienten fühlen sich auf dem Behandlungsstuhl machtlos und ausgeliefert. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Zahnarzt beispielsweise ein Handzeichen ab, das Sie geben, wenn Sie eine Pause benötigen. So behalten Sie ein Stück weit die Kontrolle und können in kurzen Pausen neue Energie tanken.
  • Betäubung: Auch bei einfachen Prozeduren kann eine örtliche Betäubung dabei helfen, die Angstzustände unter Kontrolle zu bringen. Sie müssen von nun an keine Angst mehr vor Schmerzen haben, sondern empfinden „nur“ noch das unangenehme Gefühl des Hantierens in Ihrem Mund. Wem das und die immer noch hörbaren Geräusche des Bohrers noch immer zu viel sind, kann sich über Behandlungen unter Vollnarkose informieren. Insbesondere bei aufwendigeren Eingriffen ist eine solche Methode für Phobiker (aber auch für den Arzt) am Entspanntesten.
  • Autogenes Training: Auch im Rahmen des autogenen Trainings kann ein Zahnarztbesuch vereinfacht werden. Sollte es zu Panikanfällen kommen, dann konzentrieren Sie sich auf ihre Atmung und versuchen Sie diese zu regulieren und die Anspannungen in Ihren Muskeln zu lockern. Sprechen Sie sich selbst Mut zu. „Du überstehst diese Behandlung“. „Je weniger Angst ich habe, desto schneller bin ich hier wieder raus“
  • Hypnose: Viele Angstpatienten werden in Zahnarztpraxen bereits mit Hypnose behandelt. Hierbei werden Sie entweder via Audio-CD oder vom Zahnarzt (bzw. einem Hypnotiseur) selbst in eine Art Trance versetzt, sodass Sie von der Behandlung wenig bis gar nichts mitbekommen. Diese Methode ist allerdings nur für die jeweilige Behandlung anwendbar – bietet also keine langfristige Heilung, sodass viele den 2. Arztbesuch erneut meiden.
  • Therapie: Für extreme Dentalphobiker gibt es bereits viele Therapiemethoden, in denen ihnen die Angst genommen werden soll. Häufig schauen sich die Betroffenen Filme von Zahnarztbehandlungen an und sollen diese danach selbst in Gedanken durchspielen. Nach und nach werden die einzelnen Panikanfälle analysiert. So steigert sich der Patient von Schritt zu Schritt – bis er schließlich den Weg in die Praxis angstfrei einschlagen kann.

Autor: Wolfgang Schmidt (Freier Mitarbeiter, Redakteur)