Wie unterscheiden sich Depressionen bei Männern und Frauen?

By | 24. April 2013
Chefärztin Frau Dr. med. Alexandra Dippel

Chefärztin Frau Dr. med. Alexandra Dippel

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „male depression“ und was grenzt Depressionen vom Burn-out ab?

Kurz zusammengefasst kann man sagen, Männer und Frauen leiden anders an und reagieren unterschiedlich auf Depressionen.
Während Frauen die klassischen Anzeichen zeigen, also antriebslos, niedergeschlagen, ja schwermütig sind, sind depressive Männer oft unruhig und gereizt, verlieren schnell die Beherrschung und gehen unangemessen hohe Risiken beispielsweise im Straßenverkehr ein. Zudem berät sich eine depressive Frau eher mit ihren Freundinnen oder geht zum Arzt, holt sich also Hilfe. Männer wiederum gehen generell weniger zum Arzt und suchen einen Ausweg über Suchtmittel (Alkohol), exzessive sportliche Aktivitäten oder sexuelle Abenteuer. Überspitzt gesagt würde ein Mann eher sterben, als sich Hilfe zu holen. Es ist wichtig, dies anzusprechen, denn die Suizidrate von Männern ist um ein Vielfaches höher als bei Frauen.

Ein Burnout-Syndrom ist eine Erschöpfung, die berufsbezogen auftritt. Bleibt es unbehandelt und dauert an, kann es in eine depressive Störung führen. Vielleicht kann man die Grenze vereinfachend wie folgt ziehen: Ein Ausgebrannter hat noch Ideen, aber ihm fehlen die Kräfte, sie umzusetzen. Ein Depressiver hat keine Ideen mehr noch den Antrieb zum Tun.

Wie gehen Sie in der Spessart-Klinik mit diesen Unterschieden bei Männern und Frauen um?

Um betroffenen Männern bestmöglich einen Ausweg aus der Depression aufzeigen zu können, haben wir eine „Männergruppe“ eingerichtet, bestehend aus männlichen Therapeuten (Arzt und Psychologe), die sich 1 x wöchentlich für 90 Minuten treffen. Es zeigte sich, dass die Männer dort leichter über ihre Rollenkonflikte, Umgang mit Frauen oder Aggressionen sprechen können. Im Training emotionaler Kompetenzen (4 x 120 Minuten/Aufenthalt) lernen Männer u. a. ihre Gefühle wahrzunehmen, sie zu benennen ohne sie zu bewerten und schließlich auch negative Gefühle anzuerkennen und durch Ausweitung ihrer Stresskompetenzen zu verändern. Beliebt sind natürlich die Sporttherapien, bei denen wir 2 x 45 Minuten therapeutisches Boxen und 2 x 90 Minuten Ballsport/Schlagstockkunst pro Woche anbieten. Diese natürlich auch mit männlichen Therapeuten. Bei beruflichen Problemlagen bieten wir zusätzlich eine entsprechende geschlossene Projektgruppe an.

Wie sind die beschriebenen Maßnahmen von den Männern angenommen worden? Wie sind die Erfahrungen damit?

Bei den Gruppenpsychotherapien in homogenen Gruppen sind Männer dankbar für vorgegebene Themen. Andernfalls herrscht großes Schweigen. Um Konflikte anhand von Beispielen durchzusprechen gelang dies in der reinen Männergeruppe auch deutlich besser, vielleicht deshalb, weil einige davon mit Frauen zusammenhängen. Bei den Sporttherapien können sich die Männer endlich wieder im Kampf probieren und Konkurrenz- und Rivalitätsverhalten ausüben. Das ist auch gut, denn zu späterem Zeitpunkt entwickeln sie ein Dosieren ihrer Kräfte und Flexibilität, lernen darüber hinaus Deckung und Verteidigung im therapeutischen Boxen neu hinzu. Nach unseren ersten Erfahrungen sind Männer eher von klaren Vorgaben und Erklärungen, welche Ziele in einer Therapie verfolgt werden und wie diese genau funktionieren, angesprochen. Homogene Gruppen sind günstig, da Hemmschwellen sinken können und die Männer männlich sein dürfen. Bei dem von Männern oft ins Lächerliche gezogenen „Psychokram“ sind wiederum gemischte Gruppen besser, einfach weil sich die Männer an den dort günstigen weiblichen Ressourcen orientieren und diese kopieren können. Auf jeden Fall lernen Männer, dass Hilfe annehmen in der Depression notwendig und gut ist.

Verfasserin:

Chefärztin Frau Dr. med. Alexandra Dippel (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie; Zusatzausbildung in Sozialmedizin)

Kontakt:

Spessart-Klinik Bad Orb GmbH
Würzburger Straße 7–11
63619 Bad Orb
Telefon: (0 60 52) 87-423

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